Wie fing alles an?

Die letzte Landtagswahl war in Bayern am 8. Oktober 2023. Das Erstarken einer bestimmten Partei war zu erwarten. Dann kam die Bundestagswahl am 23. Februar 2025.

Landtagswahl in Bayern 2023Bundestagswahl in Bayern 2025
CSU37.0 %37,2 %
Grüne14,4%12,0 %
Freie Wähler15,8 %4,3 %
SPD8,4 %11,6 %
FDP3,0 %4,2 %
Die Linke5,7 %
Und diese eine Partei14,6 % 19,0 %

Nie mehr ist jetzt oder warum es immer noch Menschen gibt, die aus der Geschichte nicht lernen

Kurz danach kamen hochrangige AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland.

Im Januar 2024 wurde dies durch Correctiv öffentlich. Ein Schock ging durchs Land und auch durch Herzogenaurach. 

In weiten Teilen der Bevölkerung macht sich ein „Jetzt-muss-man-doch- endlich-mal-was-tun“-Gefühl breit. So ging es natürlich auch den Mitgliedern der demokratischen Parteien vor Ort, die sofort tagten und beratschlagten, was man dem entgegensetzen könne. Vielfach hatte die Bevölkerung, auch solche ohne Parteibindung, ihren Unmut, ihre Sorgen und Ängste ihnen gegenüber, aber auch über Social Media und im wechselseitigen Gespräch zum Ausdruck gebracht. Es war schnell klar, dass es nur durch ein Zusammenwirken aller demokratischen Kräfte gelingen kann, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen.

 Wo wir Handlungszwang sahen und sehen

Als Ergebnis wurde dann die Demonstration am 29. Januar 2024 am Marktplatz unter dem Motto “Aufstehen für unsere Demokratie“ überparteilich organisiert und durchgeführt und alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufgerufen teilzunehmen, um ein klares Zeichen für unsere demokratischen Werte und unser Grundgesetz zu setzen.

Aber ganz schnell war den Initiatoren, allen demokratischen Parteien – ohne die eine Partei – und den meisten Bürgerinnen und Bürgern klar, dass dieses Zeichen alleine nicht ausreichen wird, um die Stimmung zu drehen. 

Aber das Gute war, dass sich bei der Demonstration am 29. Januar auch viele besorgte Menschen aus Herzogenaurach erstmals als klare Demokraten zu erkennen gaben und auch den Willen zeigten, in der nahen Zukunft weiter an diesem wichtigen Thema mitzuarbeiten.

Viele sagten damals, dass wir das nicht allein den Parteien überlassen dürfen, sondern dass wir uns fortan auch als Bürgerinnen und Bürger der Stadt mehr und verstärkt für unsere Demokratie und ihre Werte einsetzen müssen!

Demokratie in Aktion – Der runde Tisch wird gegründet 

Im ersten Quartal 2024 kam zu einem ersten Treffen der Menschen, die Interesse zeigten und mitarbeiten wollten, um dem “Runden Tisch Demokratie bewahren“, der damals noch gar keinen Namen hatte und erstmal getauft werden musste, auf die Beine zu stellen. Wie bei jeder Vereinsgründung oder Zusammenkunft von gleichgesinnten Menschen und dann noch gar so unterschiedlichen Menschen,  war es am Anfang gar nicht so einfach, diesen riesigen Themenkomplex in Aufgaben und Forderungen zu kleiden, aber die anwesenden Personen, die sich seinerzeit im Pfarramt Sankt Magdalena trafen und sich zum Teil erst neu kennen lernten, waren fest entschlossen, dieses Ziel zu erreichen und in der Stadt mit Aktionen Aufmerksamkeit für unser Thema und unsere kleine Gruppe zu erreichen.

Denn wir alle waren mit dem Gefühl und dem Vertrauen aufgewachsen, dass unser System, unsere Demokratie mit ihrem Grundgesetz stabil und sicher über uns ruht, aber je älter wir wurden, desto mehr spürten wir, dass bei uns in der Gesellschaft und den demokratischen Selbstverständlichkeiten irgendetwas aus dem Ruder läuft. Und da entstand bei uns allen, die sich dem Runden Tisch „Demokratie bewahren“ anschlossen, eine innere Unruhe und das wachsende Gefühl, dass wir uns ab sofort für unsere Demokratie, die uns bisher so viele Freiheiten gab, zum Schutz dieser Werte einsetzen müssen. 

Und das eben nicht nur für unsere Generation, sondern vor allem auch für die nachfolgenden Generationen und die Kinder, die zukünftig sicherlich eine andere Wahrnehmung von dieser Demokratie haben werden, sofern wir es nicht schaffen, sie, die Demokratie, auf breiter Front mit allen Bürgerinnen und Bürgern, Gruppierungen und politisch Aktiven aller demokratischen Parteien zu verteidigen. Wir vom Runden Tisch, die glücklichen Nutznießer der freiheitlichen Demokratie in Deutschland und der ganzen Europäischen Union, sind es den nachfolgenden Generationen schuldig, uns für ihren Erhalt einzusetzen!

Vom runden Tisch zur demokratischen Bewegung

Stück für Stück haben wir uns zusammengerauft und haben diskutiert, circa 20 Bürgerinnen und Bürger ohne parteiliche Bindung – Tendenz steigend -, alle demokratischen Parteien – ohne die eine – beide in Herzogenaurach vertretenen christlichen Kirchen, circa 17 Organisationen wie Gewerkschaften, Vereine, Verbände und die Lebenshilfe. 

Anfangs wurden wir in der Öffentlichkeit noch nicht so richtig wahrgenommen. Aber das hat sich schon deutlich durch unsere Aktionen geändert.

Wir überlegten uns erste Aktionen, zum Beispiel die Bierdeckel-Aktion “Ich zeige klare Kante“ zum Altstadtfest und zur Kerwa. Zu dieser Aktion erschien übrigens kürzlich ein ausführlicher und ganzseitiger Beitrag in den Nordbayerischen Nachrichten.

Wir sind nicht allein

In der Mitte des letzten Jahres erweckte ein Zeitungsartikel in den NN über eine Gruppe aus Nürnberg, sie nennt sich Zammrüggn, unsere Aufmerksamkeit und wir stellten fest, dass sich auch in Nürnberg Menschen genau dieselben Gedanken wie wir zu diesem Thema machen und deshalb diese Gruppe gründeten. 

Initiatoren war die allseits bekannte ehemalige Bundesministerin Renate Schmidt mit Günter Gloser von der SPD, Hermann Imhof von der CSU – viele Jahre bis vor vier Wochen – Brigitte Wellhöfer von den Grünen und Wolf Maser von der FPD. Alle bereits im Ruhestand, oder besser ausgedrückt, bedingt durch das Erstarken einer Partei und vielseitig zu beobachtender verfassungsfeindlicher Tendenzen, zurückgeholt in den Unruhestand.

Ja, wir fühlen uns plötzlich nicht mehr allein als ein Grüppchen in Herzogenaurach, waren glücklich, dass auch Nürnberg so denkt und handelt und haben kurzerhand Herrn Gloser, den früheren Staatssekretär von der Gruppe Zammrüggn zu uns nach Herzogenaurach zu einem unserer Treffen eingeladen, bei dem er über ihre Aktivitäten in Nürnberg und Umgebung berichten konnte!

Ja, da wussten wir, wir sind nicht allein. Wir sind schon viel mehr und erfuhren, dass es stetig mehr werden, die sich für unsere Ziele engagieren!

Es ist so wichtig geworden, dass wir Demokraten über den Rand unserer Stadt- und Landkreisgrenze hinausschauen und uns mit anderen Gleichgesinnten im ganzen Land verbinden.

Unsere Aktivitäten 

Dann kam unsere Flyer-Aktion im Zusammenhang mit der Europawahl, die im Juni 2024 stattfand. Hierzu entwickelten die Mitglieder des Runden Tisches einen Flyer, vorgesehen als Briefkasten-Aktion, vierseitig im A5 Format. Es wurden mehrere Statements von Menschen in einfach verständlichen Worten plakativ dargestellt. Zusätzlich enthielt der Flyer auch Statements, wofür Herzogenaurach im Zusammenhang mit europäischen Zielen und wie der Runde Tisch auch zu den Zielen der AfD steht. Diese Flyer in weiß-blau gehaltenen Lettern auf schwarzem Untergrund ließ die Gruppe drucken und verteilte sie dann in allen Stadtteilen als Briefkasten-Aktion. 

Im Herbst 2024 wurde– wie die Lehrkräfte in unserem Kreis bekräftigten – festgestellt, dass wir  unbedingt die Jugendlichen erreichen müssen. Sie haben bei den Europawahlen im Juni, bei denen schon ab 16 gewählt werden durfte, aber auch bei diversen Juniorwahlen, durch ihr Wahlverhalten dokumentiert, dass sie empfänglich für den Populismus und Extremismus von Rechtsaußen sind. 

Der Runde Tisch in den Schulen

Die vom Bayerischen Kultusministerium neu eingeführten Verfassungsviertelstunden waren ein Ansatzpunkt für uns, junge Menschen zu erreichen. Wir warben Personen an, teilweise auch aus unseren eigenen Reihen, die den Schulen ein Angebot für die Verfassungsviertelstunde unterbreiteten. Die Idee: Bekannte Gesichter aus Herzogenaurach erläutern ihre Herzensbindung und ihren ganz individuellen Zugang zu den Werten unseres Grundgesetzes. Zudem informierten wir die Schulleitungen mit einer Stellungnahme des Bayerischen Kultusministeriums darüber, dass auch Schulen klare Kante zeigen dürfen und und damit ihre Neutralitätspflicht nicht verletzen. Im Gegenteil, Lehrkräfte müssen unmissverständlich auf Gefahren für die freiheitlich-demokratische Grundordnung hinweisen. 

Für die Aktion „Verfassungsviertelstunde“ wurde eine eigene Arbeitsgruppe gebildet, die sich seither um Inhalte kümmert und die auch von Schulen „ausgeliehen“ werden können.

Der Runde Tisch geht an die Öffentlichkeit 

Dann planten wir unsere Plakataktion “Herzo steht auf Rechte…“, die wir kurz vor Weihnachten mit Überzeugungsarbeit in fast 90 Schaufenstern und Orten mit Publikumsverkehr in der Stadt deutlich sichtbar platzieren konnten und die auch deutlich wahrgenommen wurden. Leider wurden Plakate, die nicht geschützt an den Innenseiten von Fenstern angebracht wurden, sehr schnell wieder abgerissen, was ja einen klaren Schluss zulässt.

Darauf folgte die Vorbereitung der großen und sehr erfolgreichen Demonstration “Hand in Hand für unsere Demokratie“, die am 27. Januar 2025 auch wirklich zeigte, wie viele Menschen uns in Herzogenaurach unterstützen und die Aufmerksamkeit auf unsere Werte in der Demokratie mit uns lenken wollen. Mehr als 500 Teilnehmer*innen bildeten mit unserem klar formulierten Poster eine fast dreifache Menschenkette zwischen den beiden historischen Türmen in der Altstadt von Herzogenaurach.

Wichtig ist uns bei dieser, aber auch bei anderen Aktionen auf alle Bedrohungen für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung aufmerksam zu machen und die sind leider vielfältig, kommen aus unterschiedlichen Ecken und von unterschiedlichen Akteuren. Wir sind nicht auf einem Auge blind, sondern verurteilen ALLE Angriffe auf unsere Demokratie gleichermaßen und entschieden. Wir wollen aber nicht die Botschaft senden, dass wir gegen etwas oder jemanden agieren wollen. Uns ist wichtig klarzustellen: Wir sind FÜR etwas. Wir sind glühende Fans unseres Grundgesetzes mit seinen Werten! Wir wollen diese Begeisterung und das Verständnis, dass es unser wertvollstes Gut ist, das zu schützen höchste Priorität hat, weitergeben. Dafür strengen wir uns gemeinsam an und hoffen auch dich, lieber Leserin, lieber Leser dieses Textes, damit zu erreichen.

Soziale Medien und wie es nun weiter geht

Auch auf Instagram sind wir inzwischen vertreten: runder_tisch_herzo. Hier findet ihr die Daten und Orte für unser nächstes Treffen. Bitte folgt uns!

Die aktuellen, komplizierten und teils erschreckenden Ergebnisse bei der Wahl zum Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025 werden uns noch viel mehr Engagement aus der Gesellschaft heraus abverlangen und deshalb werben wir für unsere Sache, unsere freiheitliche Demokratie und bitten jeden um Unterstützung im Rahmen seiner Möglichkeiten und sei es nur bei Gesprächen unter Freunden, Verwandten oder auch am Biertisch!

Wir sehen die Herzogenauracher Zahlen als einen kleinen Erfolg an: die Wahlbeteiligung war über dem Durchschnitt und die Stimmen für die AFD unter dem nationalen Durchschnitt. 

Du willst bei uns mitmachen? Wir freuen uns! Schreib uns einfach und sei das nächste Mal dabei.